362-2/22 Elise-Averdieck-Gymnasium, 1908-1995 (Bestand)

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Ref. code:362-2/22
Title:Elise-Averdieck-Gymnasium
Laufzeit:(1848) 1908-1995
Level:Bestand

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Running meters:10.80

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Administration history:Die Elise-Averdieck-Schule war ursprünglich eine christliche Privatschule. Ihr ging 1909 die Gründung des Vereins für christliche Privatseminare unter Vorsitz Professor Hoppes, Schatz- meister W. Amsincks und den führenden Mitgliedern, den Pastoren Glage und Reimers, voraus. Der Verein vertrat ein rechtsorthodoxes Luthertum mit deutsch-nationaler Gesinnung.

Das Kuratorium des Vereins mietete in der Wartenau 13 ein Gebäude an und betrieb die Schulgründung. Bereits am 19. April 1909 wurde das Lyzeum mit 50 Schülerinnen und drei Lehrerinnen unter der Leitung der Direktorin Catharina Gleiß, einer Großnichte Elise Averdiecks, eröffnet. Es diente zur Ausbildung von Lehrerinnen an mittleren und höheren Mädchenschulen und an Volksschulen.

Nachdem 1912 die ersten elf Lehramtsanwärterinnen ihr Examen abgeschlossen hatten, wurde auf der Suche nach einem praktischen Betätigungsfeld eine zehnklassige Kuratoriumsschule dem Lyzeum angegliedert. Das ursprüngliche Lyzeum wurde 1914 in Oberlyzeum umbenannt. Die Schule hieß fortan "Elise-Averdieck-Lyzeum und Oberlyzeum", nachdem sie 1913 den Namen der christlich-sozial engagierten Frau angenommen und die staatliche Anerkennung er-halten hatte.

Zwischen 1916 und 1921 wurde mit dem Christlich-Sozialen Frauenseminar ein weiterer Zweig an die Schule angegliedert. Ziel des christlich-konservativen Seminars war es, die Schülerinnen für das praktische Leben als Hausfrau, Erzieherin oder für den Beruf in der sozialen Wohlfahrtspflege auszubilden. Seit 1922 versuchte der "Verein Christlich-Soziales Frauenseminar" unter Vorsitz Magdalene Schröders, das Seminar eigenständig fortzuführen, was aber bereits ein Jahr später aufgegeben wurde. 1932 löste sich der Verein auf.

1917 ging die Schulleitung bis 1939 an Jula Dietz, nachdem Catharina Gleiß im Streit mit dem Schulkuratorium aus dem Amt ausgeschieden war.

Im Verlauf des Ersten Weltkriegs, der politischen Wirren der Weimarer Republik und der beiden Wirtschaftskrisen 1923 und 1929 war die Anlehnung großbürgerlicher und mittelständischer Kreise an orthodoxes Luthertum und deutsch-nationale Gesinnungen beträchtlich, so daß die Elise-Averdieck-Schule trotz wirtschaftlicher Krisen zwischen 1915 und 1933 insgesamt prosperierte. Weil die Schulräume zu eng wurden, erwarben Schulleitung und Kuratorium zwischen 1916 und 1919 die Nachbarhäuser Wartenau 9, Wartenau 7a und Wartenau 11. 1924/25 wurde der Anbau an das Haus Wartenau 15 fertiggestellt. Zählt man 1918 noch 505 Schülerinnen bei 37 Lehrerinnen, verdoppelte sich die Zahl der Schülerinnen bis 1929.

Allerdings mußte infolge der Verlagerung der Lehrerausbildung an die Universität das Lehrerinnenseminar, das Oberlyzeum, 1928 geschlossen werden. Um den Charakter einer höheren Schule dennoch zu wahren, hatte man bereits 1926 eine gymnasiale Oberstufe in Form der "Deutschen Oberschule" aufgebaut, so daß zwei Jahre später, 1928, die ersten Schülerinnen ihr Abitur ablegten.

1929 kam es dann zur Verbindung zwischen den Diakonissinnen-Schwestern in Jeggen und der Schule, aus der die zehnjährige Nutzung des Landheimes in Jeggen und der "Verein Landheim" hervorgingen. Der zumeist vierwöchige Aufenthalt der Schülerinnen im Landheim kam einem Praktikum in Hauswirtschaft, Landwirtschaft und Erziehung gleich, neben dem der übliche Unterricht weitergeführt wurde. Das 1933 in Jeggen errichtete Werkheim wurde von arbeitslosen Schülerinnen meistens ein Jahr lang für haus- und landwirtschaftliche Tätigkeiten genutzt.
Von der Machtübernahme der Nationalsozialisten versprachen sich die Schulleitung und das Kuratorium eine Stärkung christlich-sozialer und nationaler Grundpositionen. Begrüßten sie deswegen zunächst die Machtübertragung an die Nationalsozialisten, wurde ihnen mit zunehmender Gleichschaltung aber klar, daß christliche Privatschulen im NS-Staat nicht bestehen konnten.
Tatsächlich wurde die Schule im Oktober 1939 verstaatlicht. Im selben Jahr übernahm Annemarie Hardt kommissarisch deren Leitung bis 1945.
Im Zweiten Weltkrieg führten die Bombenangriffe auf Hamburg im März 1941 zu schweren Schäden an den Schulgebäuden Wartenau 11, 13 und 15. Bereits im Monat darauf erfolgte die zweite Kinderlandverschickung nach Kehlheim, nachdem die erste im November 1940 ins oberbayerisches Ettal geführt hatte. Aber erst nach den massiven Luftangriffen 1943 übersiedelte fast die gesamte Schule mit der Schulleiterin Hardt bis zum Januar 1945 nach Bischofsgrün im Fichtelgebirge. Lediglich die achten Klassen blieben in Hamburg unter der Leitung der Lehrerin Schulz. Wichtige Quellen für die Kinderlandverschickung sind die Briefe beider Lehrerinnen und die Tagebuchaufzeichnungen der Schülerin Sigrid Tritschak.

Die Reorganisation der Schule nach 1945 brachte mit Frau Happel einen Wechsel in der Schulleitung und einen auf Demokratie orientierten Unterricht. Davon zeugen Bildungsberichte und die 1946 an der Elise-Averdieck-Schule abgehaltenen Vorkurse, die über den Hochschulzugang der Schüler mit dem sogenannten Not-Abitur aus den letzten Kriegsjahren entschieden. Die Neuordnung des Unterrichts brachte dann 1950/51 durch das Engagement des Lehrers Dr. Saul und unter Berücksichtigung des bisher bestehenden hauswirtschaftlichen Zweiges, der nicht notwendigerweise zum Abitur führte, die Einführung des sozialkundlichen neben dem sprachlichen Zweig. Außer dem Schulunterricht mußten die Schülerinnen in der Oberstufe drei Praktika an Kindertagesheimen, bei der Sozialfürsorge und in Betrieben absolvieren.

Im Zuge des Wiederaufbaus und der Stadtplanung Hamburgs zog 1959 und in den folgenden zwei Jahren die Schule nach Barmbek um. Über die Nutzung des neuen Schulgebäudes war bereits eine breit angelegte Koedukationsdiskussion entstanden. Diese wurde aber erst zehn Jahre später, 1969, unter der seit 1961 amtierenden Schulleiterin Brück vollzogen. Die ersten Jungen machten 1978 Abitur.

Mit der Oberstufenreform 1973 wurde der sozialkundliche Zweig zugunsten des Kurssystems formal aufgelöst, das Fach Gemeinschaftskunde und die Praktika aber weitergeführt.

Nach dem Schülerboom in den 60er Jahren gingen die Schülerzahlen in den 70er Jahren weiter zurück. Der 1980 vorgelegte Schulentwicklungsplan führte zur Zusammenlegung des Elise-Averdieck-Gymnasiums mit dem Gymnasium Hartzloh. Dagegen protestierten zunächst die Schüler, der Schüler- und der Elternrat. Die erhaltenen Schülerratsprotokolle geben Aufschluß über Schülerproteste verschiedener Art in den 1970er Jahren. Seit 1982 berieten die Lehrerkollegien beider Schulen, die Schulkonferenzen und gemeinsame Ausschüsse über eine reibungslose Zusammenlegung.

1987 wurde der Zusammenschluß unter dem Schulleiter Budack, der seit 1979 Direktor der Elise-Averdieck-Schule war, als Elise-Averdieck-Gymnasium/Gymnasium Hartzloh vollzogen. Die neue Schule nahm 1989 den Namen Margarethe-Rothe-Gymnasium an.
Archival history:Die vorliegenden Unterlagen wurden 1992 von der Schule an das Staatsarchiv abgeliefert. Vorher waren sie auf verschiedene Schulgebäude verstreut gewesen, während des Zweiten Weltkrieges waren sie mit der Schule in die St. Ansgar-Kirche ausgelagert worden. Die vorgefundene Ordnung wurde im wesentlichen beibehalten, die Registratur des Gymnasiums Hartzloh (362-2/24) und Einzelakten der St. Anschar-Schule (362-6/20) wurden getrennt und zu eigenen Beständen formiert. Unterlagen, die das Christlich-Soziale Frauenseminar bzw. das Landheim Jeggen betreffen, wurden innerhalb des Bestandes zusammengefaßt. Die Unterlagen einer Ausstellung zur Schulgeschichte befinden sich in der Plankammer, Dias von der Grundsteinlegung an der Rümkerstraße um 1959 in der Diasammlung.

Juli 1993

Im Juli 1994 lieferte das Margaretha-Rothe-Gymnasiusm weitere 3 m Unterlagen ab, die in den Bestand eingeordnet wurden. Akten des Gymnasiums Hartzloh wurden dem Bestand 362-2/24 zugeführt.

August 1994

Jede Archivguteinheit ist wie folgt zu zitieren: Staatsarchiv Hamburg, 362-2/22 Elise-Averdieck-Gymnasium, Nr. … .
Kommentierte Beständeübersicht:siehe Beständegliederung: Höhere Schulen

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Finding aids:Findbuch (Papier)
Scope
unverzeichnet

Information on related materials

Related material:Bibliothek:
75 Jahre Elise-Averdieck-Gymnasium 1909-1984, Hamburg 1984, Zeitungsausschnittsammlung A 558

Plankammer:
388-43 = 1

Fotoarchiv:
P 53991 191 Kleinbildnegative + 2 Diapositive "Aktionstag". Elise-Averdieck-Gymnasium und Hartzloh-Gymnasium 1.5.1988
P 53992/1-6 6 Mappen Kleinbildnegative zum 75-jährigen Schuljubiläum 1984
P 53993 43 Glasdiapositive (6.5x9cm). Schullandheim Jeggen (30er Jahre)
P 54002/1-6 6 Mappen Kleinbildnegative mit verschiedenen Motiven um 1920-1984

Diasammlung:
D 1163 7 Diakästen mit verschiedenen Motiven 1954-1987
/1 Sportfest 1954, Gerätewettkampf 1954, Kurrende Singen 1954, Ausflug zum Duvenstedter Brook 1954, Sportfest im Hammer Park 1956
/2 Sportfest 1955, Aufnahmeprüfung 1955
/3 Abiturfest 1955, Kollegium beim Abiturfest
/4 Schule Wartenau, Jubiläum 1959, Fahrt nach Mölln
/5 Grundsteinlegung Benzenbergweg, 1958
/6 Arbiturfest 1961
/7 Weihnachtskonzert in St.Nikolai am Klosterstern, ca. 1986/87
 

Containers

Number:1
 

Related units of description

Related units of description:siehe auch:
622-1/212 Dietz, Julie, 1914-1938 (Bestand)

verwendet für:
362-2 HÖHERE SCHULEN (Beständegruppe)

siehe auch:
362-2/24 Gymnasium Hartzloh, 1970-1987 (Bestand)
 

Usage

End of term of protection:12/31/2025
Permission required:Keine
Physical Usability:Uneingeschränkt
Accessibility:Öffentlich
 

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URL:https://recherche.staatsarchiv.hamburg.de/ScopeQuery5.2/detail.aspx?Id=1825
 

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