622-1/453 v. Schimmelmann, 1794-1819 (Bestand)

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Ref. code:622-1/453
Title:v. Schimmelmann
Laufzeit:1794-1819
Level:Bestand

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Number:5
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Heinrich Carl Schimmelmann wurde am 12. Juli 1724 in Demmin geboren. Vom Vater in die Lehre beim Seidenwarenhändler Weyland in Stettin geschickt, versuchte er sich als Transportunternehmer auf dem Stecknitzkanal zwischen Elbe und Trave sowie auf der Elbe selbst, was sich jedoch nicht erfolgreich erwies. Offenbar ließ er nichts unversucht, um "das große Geld" zu machen. Erste Erfolge hatte er als Heereslieferant für Getreide für die preußische Armee sowie mit dem Handel von Kolonialwarenprodukten. Nachdem er 1747 die Tocher des preußischen Offiziers von Friedenborn heiratete, ging es schnell aufwärts. Bald wurde er "Preußischer Geheimrat" und verdiente seine erste Million mit Getreide- und Münzgeschäften. Dann erwarb er von Friedrich dem II. für 120.000 Taler die von Preußen beschlagnahmten Lagerbestände der Königlich-Sächsischen Porzellanmanufaktur in Meißen. Als 37-jähriger Millionär zog Schimmelmann schließlich nach Kopenhagen. Dort bekam er mit seinem Ruf als Finanzgenie schnell Zugang bei Hofe und brachte es dort bis zum "Königlich Dänischen Minister im Niedersächsischen Kreis des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation". Schimmelmann gelang es - u.a. durch Vermischung von Staatsgeschäften mit privaten Geschäftsinteressen - nicht nur sein Vermögen zu vervielfältigen, sondern auch die Finanzen des dänischen Staates zu sanieren. Höhepunkt seiner diplomatischen Leistungen war sicherlich der "Gottorper Vergleich", den er mit dem Hamburger Senatssyndikus Jacob Schuback aushandelte. Durch diesen Vertrag erlangte Hamburg am 27. Mai 1768 seine politische Selbstständigkeit - im Gegenzug für den Erlass der enormen Schulden der dänischen Krone. Schimmelmann erhielt die höchsten Auszeichnungen, die der dänische Hof vergeben konnte. Schließlich wurde er 1779 Graf von Lindenborg. Der eigentliche Schlüssel zu dem märchenhaften Vermögen eines Mannes, den man auch als typischen Vertreter des vorindustriellen Kapitalismus bezeichnen kann, war allerdings der Sklavenhandel. Beteiligt am Sklavenhandel waren im 18. Jahrhundert vom europäischen Hochadel bis hin zum kleinen Geschäftsmann viele. Kaum jemand hatte jedoch auf dem Fundament des Sklavenhandels ein so großes Imperium aufgebaut, wie Heinrich Carl Schimmelmann.
Von Dänemark kaufte er 1763 günstig mehrere Baumwoll- und Zuckerrohrplantagen in Dänisch-Westindien (heutige Jungferninseln in der Karibik). Dadurch kam er auch in den Besitz von etwa 400 bis 500 Sklaven, deren Zahl er in den folgenden 20 Jahren verdoppelte (Schimmelmann besaß damit mehr Sklaven als jeder andere dänische Plantagenbesitzer). Bald darauf beteiligte er sich am sogenannten atlantischen Dreiecks-Handel. Schimmelmann verfügte zu jener Zeit über mehr als ein Dutzend Handelsschiffe und galt bald als einer der reichsten Männer Europas. Er exportierte Stoffe, Feuerwaffen und Alkohol aus seinen Manufakturen in Ahrensburg und Wandsbek über den Hamburger Hafen an die Westküste Afrikas. Im Gegenzug erwarb er afrikanische Sklaven, die in die europäischen Kolonien nach Nordamerika und in die Karibik transportiert wurden. Die Familie Schimmelmann wurde wenig später in den dänischen Adelsstand erhoben; Schimmelmanns ältester Sohn Ernst Heinrich wurde dänischer Finanzminister.
Heinrich Carl Schimmelmann starb am 16. Februar 1782 in Kopenhagen.
Archival history:Es handelt sich nur um einen Bestandssplitter mit einem Umfang von lediglich fünf Akten, die im Mai 1932 vom Museum für Hamburgische Geschichte an das Staatsarchiv überwiesen wurden. Im Herbst 2002 zeigte das Staatsarchiv Hamburg drei Wochen lang (vom 19.09. bis 11.10.2002) die Ausstellung "Auf Schimmelmanns Spuren - eine Ausstellung rund um die Attika" in seinem Foyer, bei der neben einigen Dokumenten aus den fünf Akten dieses Bestandes auch einige Pläne des von Schimmelmann erbauten Wandsbeker Schlosses und seines Mausoleums erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurden.

gez. Joachim W. Frank, September 2002.

Jede Archivguteinheit ist wie folgt zu zitieren: Staatsarchiv Hamburg, 622-1/453 v. Schimmelmann, Nr. ...
Kommentierte Beständeübersicht:Heinrich Carl: Minister, Großgrundbesitzer;
Haushalt und Vermögen (1794-1819)

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Access regulations:Benutzung nach HmbArchG. Keine weiteren Spezialvorschriften oder Genehmigungsvorbehalte.
Finding aids:Findbuch (Papier)
Signierung:Numerus currens

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Copies (existence, storage location):Merker
Publications:Pommerening, Michael; Frank, Joachim W.: Das Wandsbeker Schloss : Rantzau, Brahe und die Familie Schimmelmann. - Hamburg : Mühlenbek-Verl., 2004. - 144 S : zahlr. Ill. - (Staatsarchiv-Bibliothekssignatur: A 341/We 0022)
 

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