622-2/42 Marchtaler, Hildegard von (Bestand)

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Ref. code:622-2/42
Title:Marchtaler, Hildegard von
Lebenszeit Bestandsbildner:07.05.1897-02.09.1995
Level:Bestand

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Name of the creator / provenance:Marchtaler, Hildegard von (geb. 07.05.1897 Hamburg; gest. 02.09.1995 Hamburg); Historikerin
Administration history:Die zu ihrer Zeit in Fachkreisen weithin bekannte Hildegard von Marchtaler (07.05.1897-02.09.1995) entstammte als Tochter des Rechtsanwaltes Dr. Geert Seelig einer angesehenen Hamburger Familie. Sie studierte Kunstgeschichte, Geschichte und Germanistik in Hamburg, Marburg, München und Würzburg. 1920 heiratete sie Kurt Erhard von Marchtaler, aus alt-schwäbischer Familie, ursprünglich Kaufmann, dann Privatgelehrter und Genealoge. Von Heilbronn aus machte sich der Ehemann als "professioneller Heimat- und Sippenforscher", in jetziger Lesart also als freischaffender Fachhistoriker für Regionalgeschichte und Genealogie, einen Namen; u.a. gab er den bürgerlichen Teil des Wappen-Standardwerkes "Siebmacher" heraus.

Zwar wurde die Ehe, aus der Sohn und Tochter hervorgingen, schon 1928 wieder geschieden, doch wirkte sie sich prägend auf den eigenen Berufsweg Hildegard von Marchtalers aus. Die junge Frau ging daran, sich in ihrer Heimatstadt Hamburg als Fachhistorikerin für Firmen- und Familiengeschichte innerhalb der Regionalgeschichte zu etablieren. Die Presse, die besonders im Alter geradezu liebevoll über sie berichtete, nannte sie "ein lebendiges Lexikon hanseatischer Familiengeschichte". Aus ihrem Werk ist , gleichermaßen wegen des publizistischen Aufsehens wie der Bestandskraft innerhalb der Hamburg-Literatur, die kulturgeschichtliche Arbeit "Aus Alt-Hamburger Senatorenhäusern" zu nennen. Als Beispiele für größere Arbeiten aus Firmen- und Familiengeschichte können ferner dienen "100 Jahre Stülcken-Werft 1840-1940" und "Die Slomans". Besonders hervorzuheben sind auch, wenngleich weniger öffentlichkeitswirksam, die Hamburg - Bände 9 bis 12 des Deutschen Geschlechterbuches. Einschlägige Vereine machten Hildegard von Marchtaler zum korrespondierenden und zum Ehrenmitglied.
Ehrenmitglied war sie auch beim Verein für Hamburgische Geschichte, der ihr ebenso die Lappenberg-Medaille verlieh.

Im Jahre 1982 und dann noch einmal 1997 haben allerlei Papiere aus dem Bereich ihrer wissenschaftlichen Forschung den Weg ins Staatsarchiv gefunden. Nach Art und Inhalt der Unterlagen ist ein Bestand innerhalb der Gruppe der Wissenschaftlichen Nachlässe angelegt worden.

Ausarbeitungen, Material- und Quellensammlungen zu verschiedenen Themen aus der Hamburgischen Geschichte als dem klassischen Arbeitsgebiet der verstorbenen Forscherin waren dem Staatsarchiv am 23. Januar 1997 von deren Tochter über Frau Dr. Renate Hauschild-Thiessen als gutbekannter Berufskollegin übergeben worden (siehe in diesem Verzeichnis die Archivalien Nrn. A1 bis A6).

Bereits geraume Zeit vorher - hier wird nun einer Notiz bei den Unterlagen gefolgt, Aktenvorgänge konnten dazu nicht aufgefunden werden - waren im September 1982 wahrscheinlich über das damalige Archiv der Hamburgischen Landeskirche Papiere ganz anderer Art in die Magazine des Staatsarchivs gelangt. Diese Manuskripte und Sammlungen von Material gehörten zu dem Projekt eines lexikalisch - biographischen Hamburger Pastorenbuches, und zwar zu einem Band, der dann nicht erschienen ist. Inhaltlich sollte dieser die Geistlichen des Landgebietes, der Vororte sowie sonstiger Gemeinden und Einrichtungen seit der Reformation bis ca. 1970 umfassen.
Zum Hintergrund des Pastorenbuches: Ausgehend von J. A. R. Janssens "Ausführlichen Nachrichten über die sämmtlichen evangelisch-protestantischen Kirchen und Geystlichen der freyen und Hansestadt Hamburg..." aus dem Jahre 1826, beauftragte Landesbischof Franz Tügel 1936 den in historischen Forschungen versierten Pastor Dr. phil. Hugo Friedrich Beneke (1867-1951), ein umfassendes und bis in die Gegenwart reichendes Pastorenbuch zu erarbeiten. Beneke betrieb daraufhin systematisch eine umfangreiche Materialsammlung, die er auch im Ruhestand fortführte. Das Werk kam in den Mangelzeiten von Krieg und Nachkrieg nicht mehr zustande. Beneke starb darüber hin. Nun wurde Pastor D. Dr. Wilhelm Jensen (1882-1958), der sich bereits in anderer Hinsicht um die Kirchengeschichte Hamburgs und Schleswig-Holsteins verdient gemacht hatte, mit dem Projekt betraut. Jensen sammelte und bearbeitete weiter. Bereits schwer erkrankt, erlebte er 1958 das Erscheinen des ersten Bandes des Pastorenbuches, das allerdings nur die Pastoren der Hauptkirchen und der älteren städtischen Kirchen und Gemeinden aus dem Aufsichtsbereich des ehemaligen Geistlichen Ministeriums enthielt (Wilhelm Jensen, Die Hamburgische Kirche und ihre Geistlichen seit der Reformation. Band 1, Hamburg 1958). Nach dem Tode Jensens kam von Dr. Hans Bruhn, Studienrat im Ruhestand, als dritter Band eine Abhandlung und Zusammenstellung über die Kandidaten vom 17. bis zum 19. Jahrhundert heraus (Hans Bruhn, Die Kandidaten der Hamburgischen Kirche 1654 - 1825. Band 3 des Werkes "Die Hamburgische Kirche und ihre Geistlichen", Hamburg 1963).

Es fehlte also immer noch der zweite Band über die Pastoren des Landgebietes, der Vororte und sonstigen Gemeinden und Einrichtungen. Bruhn berichtete in seinem Vorwort, daß die Arbeit daran wieder aufgenommen sei und ein baldiges Erscheinen in Aussicht stehe. Ersteres traf zu, letzteres sollte indes nicht zustande kommen. Wissenschaftliche Bearbeiterin und Koordinatorin - sie ließ sich von Mitarbeitern der Kirchenverwaltung deutlich stark zuarbeiten - des Projektes war nun Hildegard von Marchtaler geworden. Wie Jensen seinerzeit die

Sammlungen Benekes erhielt nun sie das Material Benekes und zumindest zum Teil auch das Jensens. Sie ergänzte weiter, bzw. ließ dies tun bis hin zu einem dreibändigen , allerdings nicht druckfertigen Manuskript, das zeitlich bis etwa 1965 reichte. Doch vergebens der Aufwand, vermutlich im Zusammenhang mit der grundlegenden und sprengelmäßig tiefreichenden Reform der Kirchenstrukturen zur 1977 offiziell gewordenen Nordelbischen evangelisch-lutherischen Kirche kam es nicht mehr zum Abschluß.

Stattdessen legten gut zwei Jahrzehnte darauf Herwarth von Schade und Friedrich Hammer ein zweibändiges Pastorenbuch vor: Die Hamburger Pastorinnen und Pastoren seit der Reformation. Teile I und II. Hamburg 1995. Ihrem Vorwort zufolge sahen sie sich dabei zwar in der Tradition Benekes und Jensens , doch knüpften sie ausdrücklich nicht an deren Arbeit an. Marchtaler erwähnten sie überhaupt nicht. Sie gingen eigene Wege, wie sie sich aus den neuen Gemeindestrukturen der Nordelbischen Kirche ergaben. Ihre Pastorenbiographien sind ausgeprägte Kurzbiographien und beschränken sich jeweils auf nur wenige Kerndaten.
Archival history:Das hier im Bestand archivierte fortgeschritten aufbereitete Material von Beneke, Jensen und Marchtaler stellt neben seinem Wert als als Dokument einer speziellen Forschungsgeschichte und -praxis vor allem eine recht ergiebige Quelle für Pastorenviten und Geschichte der darin behandelten Gemeinden dar. Die Unterlagen enthalten zu den Pastoren mehr Daten als irgendwo publiziert sind. Zudem sind die Daten innerhalb des Materials relativ leicht aufzufinden und zeichnen sich durch ihre recht kompakte Zusammenstellung aus, so daß ihr Wert für Information und Forschung bestehen bleibt (dazu siehe in diesem Verzeichnis die Archivalien Nrn. B 1 bis B 20).

gez. Heino Rose, 1998
Kommentierte Beständeübersicht:07.05.1897-02.09.1995; Genealogie, Hamburgische Geschichte

Conditions of access and use

Access regulations:Benutzung nach HmbArchG. Keine weiteren Spezialvorschriften oder Genehmigungsvorbehalte.
Finding aids:Findbuch (Papier)
Signierung:Numerus currens
 

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Number:1
 

Usage

Permission required:Keine
Physical Usability:Uneingeschränkt
Accessibility:Öffentlich
 

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URL:https://recherche.staatsarchiv.hamburg.de/ScopeQuery5.2/detail.aspx?Id=7013
 

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